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Jäger erschießen jedes Jahr über eine Million Vögel wie Tauben, Wildenten, Wildgänse, Krähen, Fasane, Rebhühner und Waldschnepfen. Dadurch zeigen alle Vögel in der freien Natur große Scheu vor Menschen.

Auf dieser Seite: Warnung – schlimme Inhalte auf dieser Seite: ● Religion und Namensgebung ● Jagd auf WildvögelJagdleidenschaft – die wahren GründeGeflügel und Gemensch 

Die Gans – Name und Namensgebung

So formte Gott, der Herr, aus der Erde allerlei Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und brachte sie zum Menschen, um zu sehen, wie er sie benennen würde; und ganz wie der Mensch jedes Lebewesen benannte, so lautet sein Name. (Genesis, Moses 2-19)

Schade, dass bei den Gänsen der eigentliche Name nicht mehr wichtig scheint.

Sie heißen Mastgans, sie heißen Martinigans – oder Martinsgans – und nicht zu vergessen die Weihnachtsgans. [siehe weiter unten: Geflügel und Gemensch]

Doch das Schlimme ist nicht die Bezeichnung, sondern die Behandlung, die wir Menschen den Tieren zumuten. Manchmal muss man sich schämen, ein Mensch zu sein – besonders im Hinblick auf die Gänsemast- und Entenmast-Industrie.

Bild links: Fresken-Detail (Fresken für die Taufkapelle im Schloss Bernau, Fischlham, Österreich)

„Adam benennt die Tiere“

Die Gans, die schon ihren Namen hat, watschelt weg, sichtlich zufrieden. Heute gibt es kaum noch zufriedene Gänse. Linktipp: „Christen für Tiere“

„Das Geflügel schuf der Herr am fünften Tag – somit auch die Gans. Also einen Tag vor dem Menschen, der kam erst am sechsten Tag dran. Ob der Herr damit Prioritäten setzte und ihm das Federvieh demzufolge wichtiger war, darüber kann nur spekuliert werden. Möglicherweise aber hatte die göttliche Reihenfolge in der Schöpfungsgeschichte Einfluss darauf, dass der Mensch – als sozusagen „nur Zweitgeborener“ – die Gans ursprünglich als mythisches Tier verehrte.

Und Dank schuldete er ihr ohnehin: Sie hat immerhin griechische Tempel bewacht und mit ihrem Geschnatter das römische Kapitol vor der Zerstörung durch die einfallenden Gallier gerettet. Doch an dieser Stelle beginnt bereits die Undankbarkeit des Menschen. Schon der gallische Nachfahr und Dichter Lafosse verarbeitete zwar die Rettung des Kapitols zu einer imposanten Tragödie, würdigte darin aber die Gänse mit keinem einzigen Vers.

Ganz anders dagegen die Römer, die nicht nur die Klugheit des kapitolinischen Geflügels bewunderten, sondern auch dessen schmackhaftes Fleisch schätzten. Pech für die Gans, denn von nun an ging’s ihr an Leben und Leber. Und das, obwohl selbst Julius Caesar Sacaliger Anmut und Geist der Gänse besonders zu rühmen wusste. Konrad Lorenz schien die Graugänse für die besseren Menschen zu halten…“ Auszug aus einem Kommentar bei fellbeisser: Countdown für Martinsgänse läuft… Mehr (auch schöne) Geschichten auf der 1. Gänseseite.

Jagd auf Wildvögel

Laut den Dogangels werden Wildgänse zum Teil bei Nacht mit Scheinwerfern gejagt. 32.000 kommen jährlich bundesweit um, wie Vogelschützer berichten. Quelle: Dogangels/Maulkorbzwang.

Jäger verwechseln Mord mit Sport – NOAH’s Jagdkampagne

Bundesweit schaltete NOAH eine neue Kampagne gegen Hobbyjagd – in Kooperation mit dem Deutschen Tierhilfswerk. Diese Medienkampagne wäre nicht möglich ohne die Unterstützung zahlreicher Agenturen, Verlage, Sender, Tonstudios, Fotografen und befreundeten Tierschutzorganisationen – allen voran die Werbeagentur Jung von Matt, die sämtliche NOAH-Kampagnen ehrenamtlich kreiert. Linktipp

Amrum: Ballerei im Brutgebiet – Gänse vom Bürgermeister erschossen

„Das hat mit Jagd überhaupt nichts zu tun, das ist Frevel“, schimpft sogar Kreisjägermeister Peter Ewaldsen auf den designierten Norddorfer Bürgermeister Peter Kossmann.

Kossmann war dabei erwischt worden, wie er zusammen mit einem auswärtigen Jäger während der Schonzeit auf Amrum in einem Brutgebiet auf Graugänse schoss. (Quelle: tiernews.de.vu, 08.04.2003/ tierlieb.net/ Nordfriesland Tageblatt) Bild: Das Werk von Jägern – zerschossene Nilgänse. Quelle: reinaert.tk – belgische Seite auf niederländisch

Wo man sich den Weihnachtsbraten vom Himmel schießen kann

Weil Mecklenburg-Vorpommern eines der wild- und artenreichsten Bundesländer ist, sei „Jagdtourismus das einzige, was jetzt auf dem Land noch geht“ – selbst im Winter.

Für Dirk Wortmann die Existenzgrundlage. Der Bielefelder ließ 1996 das Urlaubsdorf Barlin für sechs Millionen Euro aus dem Boden stampfen, pachtete 2.000 Hektar Revier an und stellte drei Jagdbetreuer ein.

Für 600 Euro können „jagdlich Interessierte“ vier Tage nach Herzenslust auf die großen Vögel ballern. (Quelle: tiernews.de.vu, 22.12.2002/ fellbeisser)

Illegale Jagd auf Wildgänse und Kraniche

Vogelschützer machen in Sachsen-Anhalt gegen Jagdtouristen mobil: „Noch vor Sonnenaufgang umstellen die („Hobby“-)Jäger die Schlafplätze der Tiere und schießen danach wild in die aufsteigenden Schwärme.“

Dabei sei auch mindestens einer der geschützten Kraniche verletzt worden. Jedes Jahr überwintern in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern hunderttausende Wildgänse aus Skandinavien oder Russland. Dies trifft auch auf Kraniche zu. Die Gänse dürfen außerhalb von Naturschutzgebieten geschossen werden, im letzten Winter waren es laut „Komitee gegen den Vogelmord“ 35.000. (Quelle: tiernews.de.vu, 05.11.2002/ tierlieb.net/ Märkische Allgemeine/ dpa/ MAZ)

Wie immer zu Beginn der Jagdsaison auf Wildgänse waren die Tierschützer wieder in den Großschutzgebieten Ostdeutschlands unterwegs. Wie auch in den Vorjahren wurden an mehreren Naturschutzgebieten Jäger bei der illegalen Jagd auf Gänse beobachtet. Insgesamt 27 Jäger sind

  • wegen Verstoßes gegen die Schutzbestimmungen der Schutzgebiete
  • wegen Verstoßes gegen das Tierkörperbeseitigungsgesetz und
  • wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz

angezeigt worden. Ein Kamerateam des Rundfunks Berlin-Brandenburg RBB „Klartext“ (ehemals ORB) hat eine der Gruppen begleitet. Linktipp: Komitee gegen den Vogelmord

Jagdleidenschaft – die wahren Gründe

Schaut man sich Pro-Jagd-Argumente an, wird schnell deutlich, dass dies alles vorgeschobene Gründe sind. Fakt ist, dass einer der Hauptgründe pro Jagd die Herstellung von so genanntem Wildbret ist, also die Herstellung von angeblich gesundem und natürlichem Fleisch: „Lebensmittel“ aus nachwachsenden Ressourcen, wie es so schön im Jägerlatein heißt.

Ein weiterer Grund, der nicht verleugnet wird, ist die „Ernte einer guten, alten Trophäe“[1]. So heißt es sogar im neuen IUCN[2]-Dokument, dass Trophäenjagd „eine Form der Nutzung der Wildtiere darstellt, die für die Erreichung von Erhaltungszielen hilfreich sein kann, wenn sie gut geführt ist – dies, indem sie Einkommen und wirtschaftliche Anreize schafft für die Erhaltung der Arten und lokale Lebensgemeinschaften unterstützt.“ Mit Spaß am Töten und der Macht, über ein Lebewesen Richter über Leben und Tod zu spielen, solle das nichts zu tun haben: „Keinem macht es Spaß, ein Lebewesen zu töten.“[1]

Doch manchmal lassen sie sich doch ertappen, und noch so viel Gegensteuern der weniger emotional auftretenden VertreterInnen aus der Jägerschaft kann nicht verhindern, dass immer mehr BürgerInnen begreifen, dass Jäger weder Umwelt-, Tier- noch Artenschützer, sondern Mörder aus Leidenschaft sind. So ließ sich eine Jägerin in einem Beitrag vom SWR[3] dabei in ihrem Ansitz filmen, wie sie stolz sagt: „Ich empfinde das für mich als sehr schön, dass ich mit einer geladenen Waffe im Hochsitz sitzen kann und es in meinem Ermessen liegt, ob ich jetzt schieße oder nicht. Das finde ich für mich ganz toll.“ Was sind das für Gefühle, die da bei ihr aufkommen? „Ja, so Machtgefühle irgendwie.“

Beim Abdrücken habe er das gleiche Gefühl, als wenn er einen reifen Apfel pflücke.

Während diese ältere Dame Machtgefühle erlebt, geht es bei Männern offensichtlich noch um andere Gefühle. So beschreibt ein Spiegel-Beitrag[4], warum Kursteilnehmer, die sich auf Großwildsafaris vorbereiten, so viel Lust beim Töten empfinden.

Die Reisejagdveranstalterin Tamela Moss hat schon Hunderte Jäger beim „finalen Schuss“ begleitet. Ihre Kunden würden die Grenzerfahrung suchen, erläutert sie. Je größer oder gefährlicher das Tier, desto besser. „95 Prozent der Männer fallen auf die Knie und fangen an zu heulen, wenn sie ihren ersten Elefanten geschossen haben. […] Ein so großes Tier zu erlegen ist wie der beste Orgasmus, den Sie sich vorstellen können. Da ist man so nah bei Gott, wie man es nur sein kann…“ Krank, pervers – beides? Auf jeden Fall sind sie perfide genug, ihr Tun auch noch als gutes Werk hinzustellen: Die Jäger rechtfertigen zum Beispiel Jagd-Safaris – gerne auch auf gefährdete Arten – mit dem Argument, dass ein Großteil ihres Geldes der Bevölkerung und damit letztlich auch den Tieren zugutekomme. Laut einem Bericht der WAZ[5] machen rund 15.000 Deutsche mehr oder weniger regelmäßig Jagdurlaub im Ausland.

Die Jagd hat die Beute, der Sex den Orgasmus

Die Schweizer Jäger sind offensichtlich nicht so genant und sagen es auf www.jagdportal.ch frei heraus: „Vorbei die Zeiten, in denen wir auf die Frage nach den Gründen unseres blutigen Tuns allein mit den alten Geschichten vom Hegen und Pflegen, vom Erlösen alter und kranker Tiere, von den fehlenden Prädatoren, der Wildschadensbekämpfung, dem Schutz unserer lieben Füchse vor Seuchenzügen und der Freude an unvergesslichen Naturerlebnissen antworten müssen. Jetzt können wir frei von der Leber weg das sagen, was wir im Innersten schon immer sagen wollten: Jagen ist etwas Lustvolles, Jagdpassion hat etwas mit Lust und Freude zu tun.“

Der Beitragsschreiber Martin Ebner lässt sich inspirieren von Autor Florian Asche[6]: „Wir Jäger wollen mit der Natur ins Bett. […] Ja, die Jagdleidenschaft ist mit Sex zu vergleichen. Das ist ein Trieb, den auch niemand rechtfertigen muss. Beide Leidenschaften haben ein Ziel. Die Jagd hat die Beute, der Sex den Orgasmus.“ Jäger Karl Lüönd[7] erklärt: Beim Abdrücken habe er das gleiche Gefühl, als wenn er einen reifen Apfel pflücke.

Erstaunlich ist, dass es – zumindest einige – JägerInnen irgendwie schaffen, einen relativ „seriösen“ Eindruck zu machen und sich sogar an Kindergärten und Schulen für „Umweltunterricht“ breit machen können. Eine kleine, aber feine Kampagne anonymen Ursprungs klärt auf eigenwillige Art auf.

Verschiedene Motive mit dem real nicht existenten Absender Vereinigung Deutscher Jäger prangen auf offensichtlich zigtausend verbreiteten Aufklebern, die erstmals zur Anti-Jagd-Demo in Düsseldorf Ende September aufgetaucht sind. Sie sind kostenlos erhältlich bei einschlägigen Online-Shops, auch im tierbefreier-Shop.

[Weitere Motive: – Mein Sport: Tiermord – Ungestraft töten? Jäger werden! – Tote Katze, gute Katze.]

Auch wenn es kurzfristig keinem Tier das Leben retten wird, kann doch langfristig weiter am Image der Waidmänner gekratzt werden – und das ist es, was ihnen wirklich weh tut. Ob Jagd und Jäger noch gesellschaftsfähig sind, wird sogar im eigenen Kreis diskutiert. „Experten und Praktiker“ setzten sich auf einer Tagung[8] mit der Jagd und ihrem Bild in der Gesellschaft auseinander, denn die Meinung über die Jagd hat sich in den letzten Jahrzehnten bereits stark geändert.

Viola Kaesmacher
Text veröffentlicht in TIERBEFREIUNG 77

Fußnoten:
1 Beschrieben in einer 12seitigen Pro-Jagd-Beilage, redaktionell verantwortet vom Bayerischen Landesjagdverband (BJV) und vertrieben über die Allgäuer Zeitung
2 International Union for Conservation of Nature und Species Survival Commission (SSC): Guiding Principles on Trophy Hunting as a Tool for Creating Conservation Incentives; vom 9. August 2012: https://cmsdata.iucn.org/downloads/.pdf
3 www.youtube.com/watch?v=-Ls-m1kDwVY (bei Minute 1:30)
4„Ganz nah bei Gott“, Spiegel 32 vom 6. August 2012
5 www.derwesten.de/reise/jagdtouristen-id7139940.html
6 Florian Asche: „Jagen, Sex und Tiere essen. Die Lust am Archaischen“, Verlag Neumann-Neudamm, Melsungen, 2012.
7 Chefredakteur der Zeitschrift Jagd&Natur im Interview mit der Zeitung Südostschweiz, 1. September 2012
8 11. und 12. Oktober: An die 100 Tagungsteilnehmer aus Österreich, Deutschland und der Schweiz beteiligen sich an der Diskussion beim 16. Wildtiermanagementtagung der Nationalpark Akademie in St. Jakob.

Geflügel und Gemensch

Tiere mit Flügeln werden von Menschen meist ungeachtet ihrer Art als „Geflügel“ bezeichnet. Hier ein kleiner Einblick in die Welt der Tiere, die ihre wichtigsten Gliedmaße nicht nutzen können.

Puten leben monatelang in dermaßen überfüllten Ställen, dass ein Flügelschlagen oder Beinestrecken nahezu unmöglich ist. Sie stehen in ihrem eigenen Kot und die Urin- und Ammoniakdämpfe verätzen ihnen die Augen und Lungen. Millionen Puten überleben schon die ersten Wochen nicht.

Im Schlachthof werden sie an ihren schwachen, verkrüppelten Beinen aufgehängt. Enten und Gänse erleiden Unvorstellbares. Bei Wasser-“Geflügel“ sind die Zustände unbeschreiblich – man denke nur an die Schwimmhäute und das Bedürfnis nach Wasser. Zurzeit entzündet sich übrigens gerade ein neuer Skandal ums Gänse-Lebendrupfen für kuschelige Daunen. So genannte Masthähnchen sind fast keine Lebewesen mehr – Fressmaschinen, die zusammenbrechen, weil die Knochen nicht mitkommen und die inneren Organe komplett überlastet sind. Hühner sollten es eigentlich gesetzlich nun besser haben – Käfighaltung-Verbot – frohlockte man jahrelang der Politik Glauben schenkend. Doch „Lege“-Hennen und Tierschützer wurden betrogen und so leiden Hühner weiter auf engstem Raum – unter neuem Namen: Volierenhaltung.

Verunglimpfung & Beschimpfung

Mitte November fand die EuroTier in Hannover statt. Unter anderem mit der World Poultry Show. Es nahmen laut Veranstalter mehr als 1.900 Aussteller und mehr als 140.000 Besucher teil. Im Rahmen des Tag des Geflügels fand die Mitgliederversammlung des ZDG (Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft e.V.) statt. Dort wurde eine Erklärung hinsichtlich des „aktuellen Diskurses zur Geflügelhaltung“ veröffentlicht: Eine Verunglimpfung der deutschen Geflügelwirtschaft sei nicht mehr tolerierbar. Seit einigen Monaten sehe sich die deutsche Geflügelwirtschaft mit heftigen Vorwürfen und Unterstellungen konfrontiert. „Tierrechtsbewegungen wie PeTA oder die Animal Liberation Front belasten ganz erheblich einen konstruktiven Dialog“, warnt die ZDG. Die gesellschaftliche Diskreditierung von Geflügelhaltern und deren Familien sowie die zunehmende Gewaltbereitschaft mit der Zerstörung bzw. Beschädigung von Eigentum müsse öffentlich verurteilt werden. Verurteilt wurde übrigens jemand anderes, und zwar der DBV (Deutscher Bauernverband). Dieser darf vier tierschutzfeindliche Aussagen nicht mehr wiederholen, urteilte das Berliner Landgericht am 4. Oktober. Auch gegen den niedersächsischen Ministeriumssprecher Gert Hahne liegt eine Anzeige wegen übler Nachrede, Verleumdung, Beleidigung und Dienstpflichtverletzungen vor.

Lobby & Lügen

„Es gibt keine Tierschutz-Probleme in Geflügelmastbetrieben.“ Gebetsmühlenartig wiederholte dies Astrid Grotelüschen in den vergangenen Monaten. Zu eng ist die Ministerin für Agrar und Tierschutz mit der Geflügelzuchtindustrie verbunden. Sie hat sich bisher nicht gescheut, als Lobbyistin der Massentierzucht ganz offen für die Interessen der Agrarindustrie einzutreten, in der sie selbst als Geschäftsführerin im Putenmastbetrieb ihres Mannes tätig war. Allein schon dieser Interessenkonflikt lässt begründet den Rücktritt einer Ministerin fordern. Verschiedene Tierschutzorganisationen haben gegen die Ministerin, ihren Mann Garlich und den familieneigenen Putenmastbetrieb Strafanzeige wegen des Verdachts auf Tierquälerei gestellt.

Wenden & Winden

Das Niedersächsische Agararministerium wendet sein Fähnlein: nun will das Land auf einmal eine Tierschutz-Offensive starten: Auf einer nicht-öffentlichen Sitzung des Agrarausschusses des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums am 22. Oktober wurden schlussendlich doch Mängel in der Massentierhaltung eingestanden. Davon erfuhr die Öffentlichkeit rund einen Monat später aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung – termingenau zum Ende der Eurotier. Die geplanten neuen Leitlinien sollen gemeinsam mit der Wirtschaft erarbeitet werden. Wunsch des Ministeriums ist zudem, dass es auf EU- und Bundesebene gleiche Vorschriften gebe. Entflammte Hoffnung also gleich wieder im Keime erstickt – wir können davon ausgehen, dass sich nichts zum Wohl der Tiere ändern wird.

Schützer & Nützer

Diese Worthülsen können vielmehr als Reaktion auf die zunehmende Sensibilisierung in der Bevölkerung gewertet werden. Das Thema flackerte gar die Mainstream-Medien rauf und runter. Eine ganze Reihe von Tierschutzvereinen hat seit November die Website www.schlachthof-transparent.org ins Leben gerufen. Noch mehr Unterstützer (120 Bürgerinitiativen und Verbände) umfasst der bundesweite Zusammenschluss Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken. Und das Bündnis gegen Stallpflicht (17 Verbände und Tierschutz-Organisationen) meldet sich auch zu Wort. Sie wollen eine geplante Änderung der Geflügelpest-Verordnung kippen, damit Freilandhaltung Freilandhaltung bleiben kann.

Gigatonnen Leid

Die Produktion von „Geflügel“fleisch wurde im Jahr 2009 auf knapp 1,3 Millionen Tonnen ausgeweitet. Damit hat sich die Erzeugung gegenüber dem Jahr 2008 um 3,4% oder gut 42.400 Tonnen erhöht. Dies ist vor allem auf die Steigerung der Produktion von Jungmasthühnerfleisch zurückzuführen, die im Vergleich zum Vorjahr um 6,0% (+ 42.500 Tonnen) auf gut 749.000 Tonnen wuchs. Die Produktion von Entenfleisch erhöhte sich auf 62.400 Tonnen (+ 2,6%, + 1.600 Tonnen).

Das hohe Vorjahresergebnis bei der Truthahnfleischerzeugung wurde mit einer Produktion von 438.000 Tonnen gehalten. Dagegen sank die Produktion von „Suppenhühnern“ deutlich. Es wurden 3.600 Tonnen oder 9,0% weniger Fleisch erzeugt als im Vorjahr. 2008 wurden weltweit rund 92 Millionen Tonnen „Geflügel“fleisch verzeichnet. Zusammen mit den Stadtstaaten Hamburg und Bremen gibt es in Niedersachsen rund 50,9 Millionen kommerzielle Geflügeltiere. In Bayern, dem Land mit dem zweitgrößten Hühnerbestand sind es 9,5 Millionen, in Sachsen 9,2 Millionen. Weltweit hat China die bedeutendste Geflügelwirtschaft. Dort gab es 2007 rund 4,5 Milliarden Hühner, in den USA rund 2,1 Milliarden.

Feuer & Flamme

Bei all diesen schwindelerregenden Tatsachen ist es kein Wunder, dass immer mehr Widerstand entfacht wird und sich einige Menschen aktiv und konsequent für „Geflügel“ einsetzen. Hierfür gibt es verschiedene Aktionsformen – von offenen Tierbefreiungen, für die sich Medien brennend interessieren über Aufnahme und Pflege der Tiere auf Lebenshöfen oder eben Sagotageakte, um die unsägliche Tierausbeutung zumindest weniger lukrativ zu machen. Vergessen wir nicht, dass es einen Weg aus der Hölle für die Tiere gibt: Veganismus demonstrativ leben und andere damit anstecken – das ist unsere heißeste Waffe!

Viola Kaesmacher
Text veröffentlicht in TIERBEFREIUNG 69

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Aufgespürt – Abgeknallt – Aufgespießt

Was Sie über Jagd und Angeln wissen sollten – bei „die tierbefreier“

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